Psychologische Privatpraxis Stuttgart
Dr. Benjamin Zeller

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Wann sind Medikamente sinnvoll und wann eine Psychotherapie? Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Warum die Diskussion oft emotional geführt wird

Häufig wird diese Diskussion nicht ganz ideologiefrei geführt. Manche Patienten haben Angst vor der Einnahme von Psychopharmaka, andere wiederum schwören auf den hilfreichen Effekt solcher Medikamente. Unter Wissenschaftlern allerdings besteht mittlerweile weitgehend Einigkeit darüber, dass für etliche psychische Erkrankungen gilt: Psychotherapie und Medikation wirkt besser als eines davon alleine. In der Zusammenarbeit von Psychologe bzw. Psychotherapeut und Psychiater liegt folglich eine große Chance. Darüber hinaus gibt es ganz unterschiedliche Medikamente, die es zu unterscheiden gilt: Ob Sie ein Antidepressivum (wie z.B. SSRI oder trizyklische Antidepressiva), ein angstlösendes Medikament (Anxiolytikum - meist ein Benzodiazepin), ein Neuroleptikum, ein klassisches Schlafmittel oder ein Schmerzmittel einnehmen, macht einen großen Unterschied.

Wann Medikamente nicht notwendig oder sogar hinderlich sind

Nicht alle Erkrankungen erfordern allerdings Medikation. Für viele Störungsbilder existieren auch noch keine geeigneten Medikamente. Manchmal können Medikamente sogar hinderlich für den Erfolg einer Psychotherapie sein. Dies ist vor allem bei Angsterkrankungen der Fall – insbesondere bei so genannten Benzodiazepinen.

Wann Medikamente klar überlegen sind

Im Bereich von Psychosen (Schizophrenie u.ä.) hingegen besteht kein Zweifel daran, dass Medikamente (Antipsychotika - typische oder atypische Neuroleptika) besser wirken, als Psychotherapie, wenngleich diese vor allem für die Rückfallprophylaxe von hoher Wichtigkeit ist.

Was Studien über Wirksamkeit und Grenzen zeigen

Es gibt einige Metaanalysen, die speziell für Antidepressiva Zweifel an einer überzeugenden Wirksamkeit für die Mehrheit der Patienten wecken. Weiter gibt es allerdings auch Studien, welche selbiges für einige Formen der Psychotherapie (vor allem für die klassische Psychoanalyse) nahelegen.

Wie häufig Nebenwirkungen auftreten und wie sie einzuordnen sind

Bis auf die Gruppe der Benzodiazepine (Anxiolytika), die ein hohes Suchtpotential aufweisen, verursachen klassische Psychopharmaka im Regelfall keine oder nur geringe Abhängigkeiten. Auch Schlafmittel und Schmerzmittel bergen ein Abhängigkeitspotential. Die meisten der Nebenwirkungen eines Psychopharmakums sind reversibel, d.h. wenn das Medikament abgesetzt wird, verschwinden auch mögliche Nebenwirkungen wieder vollständig. Ausnahmen gibt es vor allem bei älteren Antipsychotika wie z.B. Haloperidol. Manchmal werden von Betroffenen einige Symptome psychischer Erkrankungen auch fälschlicherweise für Nebenwirkungen der Medikamente gehalten.

Welche Risiken Psychotherapie haben kann

Psychotherapie kann (in seltenen Fällen) ebenfalls unerwünschte Nebenwirkungen haben. Diese Gefährdung besteht vor allem bei intensiver emotionaler Aktivierung und einem hohen Machtgefälle zwischen Therapeut und Patient, verbunden mit dessen psychischer Entmündigung. Hilfreich zur Vermeidung dieser Nebenwirkungen sind: Transparenz des therapeutischen Vorgehens, Autonomie und unbedingte Freiwilligkeit seitens des Patienten, „menschliche Greifbarkeit“ des Therapeuten (kein unpersönliches Schweben über den Dingen) und ein Fokus auf der Bewältigung der gemeinsam festgelegten Problemstellungen. Dies ist bei der modernen kognitiven Verhaltenstherapie, bei der Gesprächspsychotherapie nach Rogers und auch bei anderen modernen psychotherapeutischen Verfahren in der Regel gewährleistet.